Il Museo Fratelli Cozzi

Bilder und Bericht von Daniel Schmidt, 22. Okt. 2018

Die Alfa Romeo-Sammlung der Familie Cozzi, Legnano

Als sich dieses Jahr herausstellte, dass meine Freundin und ich einen Italienroadtrip unternehmen werden, war es klar, dass ich mich schon vor dem Start unserer Reise über interessante Automuseen informiere. Bei meiner Recherche stieß ich auf das „Museo Fratelli Cozzi“ (www.museofratellicozzi.com), eine private Sammlung von über 50 Fahrzeugen, darunter auch zwei Einzelstücke.

Das Museo befindet sich nur unweit entfernt vom offiziellen Museo Storico Alfa Romeo in Arese (Mailand) – zwei Fliegen mit einer Klappe könnte man also sagen.

Wir nahmen die Route durch die Schweiz, am Lago Magiore entlang nach Italien und somit war Legnano aufgrund seiner Lage das erste Ziel auf unserer Reise. Als wir uns der Adresse des Museums näherten, konnte man schon von weitem die Fiat und Alfa Romeo Händlerschilder erspähen, jedoch nichts von einem Hinweisschild auf ein dort ansässiges Museum. Wir gingen in das Autohaus, vorbei an neuen BMW und Mini-Modellen, welche hier ebenfalls zum Angebot gehören und fragten einen Mitarbeiter nach Rat.

Er erklärte uns, dass das Museum nur an einem Tag im Monat für etwa 20 Besucher zugänglich ist und der nächste Termin wäre schon komplett ausgebucht. Allerdings gab er uns die Kontaktdaten der Museumsdirektorin Elisabetta Cozzi - ich könne ihr schreiben und evtl. habe ich Glück – nicht zuletzt deswegen, weil wir ja aus Deutschland angereist wären.
Gesagt, getan und schon kurz darauf erhielt ich eine freundliche Antwortmail in perfektem Englisch, in der Elisabetta schrieb, dass meine Freundin und ich herzlich willkommen sind und wir gerne am nächsten Termin dabei sein dürfen.
Da die Veranstaltung erst in 2 Wochen war, fuhren wir weiter in das nur 20 Minuten entfernte Museo Storico Alfa Romeo und besuchten in den darauffolgenden Tagen auch einige andere automobilhistorische Orte, welche ich euch in meinem anderen Berichten bebildert vorstellen werde.

Am 14. Okt. 2018 war es dann so weit und wir kehrten nach einem  Tag in Mailand-City zurück nach Legnano. Dieses Mal war anhand von einigen Hinweisschildern zu erkennen, dass hier heute ein kleines Event stattfindet. Der auf der Rückseite befindliche Eingang des Autohauses fungiert an diesen Sonntagen dann als Empfangshalle für die Museumsbesucher.

Der ein oder andere "Alfisti" reiste standesgemäß mit seiner eigenen "Bella Macchina" an.

 

Sofern man auf der Besucherliste steht, darf man rein. Der Eintritt ist, auch wenn eine Anmeldung zwingend nötig ist, völlig kostenlos!

Elisabetta Cozzi empfing uns herzlich und entschuldigte sich schon vorab dafür, dass eine kleine Führung nur auf italienisch stattfinden würde.
Nach ein paar Worten von Elisabetta und ihrem Vater Pietro Cozzi, der Sohn des Namensgebers und Begründers der Sammlung Fratelli Cozzi, wurden wir durch eine eher unauffällige Kellertür, durch das rote, von Neonröhren beleuchtete Treppenhaus in die Tiefgarage geführt.

 

Der charakteristische Geruch von altem Öl, Gummi und Benzin lag in der Luft – dramatische Musik wurde beim Einlaufen in die völlig in Schwarz getuschte Tiefgarage gespielt.
Als das Licht anging, sahen wir endlich die Objekte, weswegen wir hier waren. Die Sammlung beherbergt Fahrzeuge, welche nicht unbenutzt blieben, sondern gefahren wurden. Ein paar Macken hier, eine Falte im Ledersitz da. Die Wagen sind keineswegs ungepflegt! Es handelt sich hier um eine authentische Ansammlung von fahrenden Zeitzeugen, beherbergt in einer perfekt inszenierten, stilvollen Umgebung.

 

Die Sammlung beherbergt unter anderem zwei 6C´s aus den Fünfzigern, von denen der schwarze 6C 2500 aus dem Jahr 1950 den Grundstein der Sammlung darstellt, welcher von Fratelli Cozzi gelegt wurde.

 

Da wir die einzigen Nicht-Italiener waren, bekamen wir eine gewisse Extrabehandlung durch die Museumsdirektorin, Elisabetta. Sie erklärte uns die Hintergrundgeschichten zu einigen der ausgestellten Fahrzeuge und verwies auf die ebenfalls vorhandenen englischen Erklärungstafeln an den Betonträgern der Tiefgarage.

Der Protagonist einer Story, welche uns von Elisabetta vorgetragen wurde, ist ein Alfa 155 Q4 Hochgeschwindigkeits-Rekordfahrzeug, welches auf den Ebenen der Salzseen in Bonneville, Utah 1992 fast 300 km/h in den salzigen Boden schrieb. Die eigentliche Herausforderung für die 365 PS-Starke Maschine war dabei allerdings nicht das Hochbeschleunigen, sondern das Abbremsen auf dem losen Untergrund. Daher hat der allradgetriebene 155 eine Brems/Fallschirm-vorrichtung im Kofferraum montiert.

 

Weitere Besonderheiten sind eine Junior GTA Replika und ein Alfa 75 Turbo Evoluzione, welche sich in nahezu in Neuzustand befinden.

 

Das nunmehr in 3. Generation befindliche Familienunternehmen lagerte seitdem immer wieder besondere Alfa-Modelle ein. Dies geschieht kontinuierlich, auch noch in der Gegenwart, wie man am Beispiel des nagelneuen 4C´s sieht. Auch jüngere Modelle wie ein Alfa 156, ein 166, sowie ein (916) GTV stehen hier in perfektem Zustand.

Auch wenn vor diesen Fahrzeugen heute kaum ein Besucher stehenbleibt, könnten sie eines Tages für staunende Blicke und „so einen hatte ich auch mal“-Gespräche sorgen.

 

 

 

 

 

                    

 


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